AIDO Sezione Provinciale Bolzano

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Organspende – Eine Entscheidung fürs Leben Zusammenfassung des Vortrags in Lana am 11.03.2013

13/03/2013
Den Fortschritten der modernen Medizin- insbesondere der Intensivmedizin verdanken wir, dass heute viele Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen vor dem sicheren Tod gerettet werden können. Die Entwicklung der künstlichen Beatmung in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts ermöglichte so erstmals das Überleben von Patienten mit schweren Gehirnverletzungen, welche ohne Beatmung am Atemstillstand versterben würden. Menschen mit schwerem Schädelhirntrauma, grosser Hirnblutung oder ausgedehntem Schlaganfall können heute durch intensivmedizinische und neurochirurgische Massnahmen durchaus geheilt werden. Viele dieser Menschen aber verlassen das Krankenhaus mit bleibenden Behinderungen, denn ausgedehnte Verletzungen des Gehirns führen zum endgültigen und nicht ersetzbarem Untergang von Nervenzellen im Gehirn. Einige wenige Menschen, solche mit verheerenden Gehirnverletzungen, versterben aber trotz moderner Medizin am irreversiblen Untergang aller Gehirnzellen, dem sogenannten Hirntod. Alle Zellen des Gehirns sind dabei unumkehrbar und definitiv abgestorben, das gesamte Gehirn - und somit der Mensch als Individuum - ist dann tot, während das Herz durch die künstliche Beatmung und künstliche Kreislaufstabilisierung weiterhin schlägt und den Rest des Körpers mit Sauerstoff und Nahrung versorgt. Nach geltendem italienischen Gesetz wird nun eine spezielle Ärztekommission zur definitiven Feststellung des Todes durch Hirntod einberufen und der Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten bezüglich einer Organspende eruiert. Sollte dieser keine Willenserklärung zu Lebzeiten an den zuständigen Ämtern (Gemeinde, Sanitätssprengel oder AIDO) abgegeben haben, werden die nächsten Verwandten befragt ob der Verstorbene sich zu Lebzeiten für- oder gegen eine Organspende ausgesprochen hat. Die Entscheidung zur Organspende liegt also bei nicht vorliegender Eigenerklärung des Verstorbenen in absteigender Reihenfolge beim Ehepartner oder Lebenspartner, bei den volljährigen Kindern, bei den Eltern des Verstorbenen oder bei dessen legalen Vertretung. Nach Abschluss der über 6 Stunden andauernden Hirntoddiagnostik und spätestens nach einer eventuellen Organentnahme werden alle intensivmedizinischen Massnahmen eingestellt, d.h. die Beatmungsmaschine wird abgestellt, der Herzstillstand tritt ein und der Verstorbene wird zur Beerdigung oder Kremation freigegeben. In Italien sind derzeit 250 Kinder und 8850 Erwachsene auf der Warteliste für ein Organ, darunter circa 80 Südtiroler. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt je nach Organ 2 bis 3 Jahre, ebenso variiert die jährliche Sterberate auf der Warteliste je nach Organ zwischen 0,3 und 15. In anderen Worten versterben also jährlich 250- 500 Menschen während sie auf das passende Organ warten. Italienweit haben bisher 1.330.000 Bürger eine Erklärung zur Organspende nach dem Tode abgegeben (2% der Gesamtbevölkerung), 99% haben sich für eine Organspende ausgesprochen und 1 % dagegen. Bei allen hirntoten potentiellen Organspender der letzten 10 Jahre, spendeten nur etwas mehr als die Hälfte ihre Organe, bei 20-25% lagen Kontraindikationen für eine Organentnahme vor und bei 30% wurde eine Organentnahme abgelehnt. In den allermeisten Fällen musste diese Entscheidung von den Angehörigen getroffen werden und dies in einer für alle Beteiligten sehr belastenden und schrecklichen Situation, nämlich dem soeben erlebten Verlust ihres geliebten Partners, Kind oder Elternteils. Dr. Andreas Clara, DESA, EDIC Abt. für Anästhesie und Wiederbelebung Krankenhaus Meran
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